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Im Jahr 2002 unterrichtete ich an einer Musikschule in Edmonton, Kanada. Meine Schüler waren in der Regel zwischen sechs und sechzehn Jahren alt, eine Altersspanne, mit der ich mich sehr wohlfühlte. Ich hatte eine klare Vorstellung davon, wann ein Kind wirklich bereit war, seine musikalische Reise zu beginnen.

Wie jede Woche brachte eine Mutter ihre drei Kinder zum Unterricht, aber diesmal war auch die kleine Schwester dabei, weil sie mich etwas fragen wollte. Und zwar: „Kann ich Klavier spielen?“

Diana
Diana: Die Inspiration hinter der pre piano Methode.

Obwohl ich wusste, dass es Lehrer gibt, die auf Kleinkinder spezialisiert sind, hatte ich noch nie Schüler in einem so jungen Alter angenommen. So sagte ich mit Bedauern, dass sie noch zu jung war, was so viel hieß wie: „Nein.“ Doch Diana war nicht bereit, das Gespräch zu beenden. Sie sah mich an und stellte mir eine einfache, herausfordernde Frage: „Warum?“

Gute Frage. Und so sagte ich einfach, dass ich sie nicht unterrichten konnte, weil ich nur Kinder unterrichte, die bis zwanzig zählen können. Ich hielt den Atem an, und da keine Gegenfrage kam, dachte ich, damit war die Sache erledigt.

In der darauffolgenden Woche kam Dianas Mutter auf mich zu und sagte, ihre Tochter wolle mir etwas mitteilen. Als ich mich vorbeugte, um zuzuhören, begann Diana zu zählen. Bis zehn kam sie ohne zu stocken. Dann hielt sie inne und nannte weiter zweistellige Zahlen, allerdings völlig durcheinander.

„11... 14... 15... 18... 12... 11... 15...“

Rührend. Ich machte ein Handzeichen, um zu signalisieren, dass sie aufhören kann, und sagte: „Ja, du kannst Klavier lernen.“ Natürlich war das „Ja“ der einfache Teil. Diana konnte noch nicht lesen, geschweige denn Noten lernen, und so musste ich eine neue Musiksprache für sie erfinden.

Ich nahm ein Blatt Papier aus dem Kopierer und zeichnete den Umriss ihrer rechten Hand nach. Über ihrem Daumen malte ich ein Kamel. Über ihrem Zeigefinger einen Delfin und über ihrem Mittelfinger einen Elefanten.

Sie erkannte die Tiere sofort. Ich legte ihre Hand auf die Tasten, und während ich mit meinem Stift auf ein Tier zeigte, spielte sie die passende Note. Ich war verblüfft. Selbst für ältere Anfänger ist es schwierig, meinen Anweisungen zu folgen, doch Diana spielte von Anfang an fehlerlos.

In der zweiten Woche fügte ich einen Fisch und eine Giraffe hinzu. Das erweiterte ihr Repertoire, aber zu meiner Überraschung reichten fünf Tiere schon bald nicht mehr aus. So fügte ich einen Vogel und einen Alligator hinzu, um unseren „musikalischen Zoo“ zu vergrößern. Auch hier hatte sie keinerlei Schwierigkeiten, Daumen und kleinen Finger zu strecken, um die Noten zu finden. Da wusste ich, dass wir etwas Besonderes entdeckt hatten.

Nach nur fünf Unterrichtsstunden, kurz vor Schulschluss, spielte Diana mit einer solchen Sicherheit, dass ich sie einlud, am Schulschlusskonzert teilzunehmen. Sie war der erste Auftritt des Abends und betrat die Bühne in einem Auditorium, gefüllt mit etwa 200 Eltern, Verwandten und Mitschülern.

Ihre Mutter half ihr auf den Klaviersessel und legte ein einzelnes Blatt Papier auf den Notenständer. Diana spielte ihre Lieblingskomposition, die aus sieben Noten bestand. Der Saal brach in Applaus aus, und das Publikum verlangte lautstark eine Zugabe. Sie kam dem Wunsch nach und spielte sie, genau wie zuvor, perfekt. Ich werde diesen Moment nie vergessen.

Das Interesse der anderen Eltern ließ nicht auf sich warten. Sie wollten nicht nur, dass ihre Kinder Klavier lernten, sondern dass sie dasselbe Selbstvertrauen fanden, das Diana gezeigt hatte. Ich verbrachte die Sommerpause damit, diese handgezeichneten Blätter in eine besser organisierte Methode zu verwandeln.

Über den Autor

Mein Name ist Ernst J. Renner. Ich bin 1988 aus Österreich nach Kanada ausgewandert und habe viele Jahre als Musiklehrer gearbeitet. Heute, im Ruhestand in Vancouver, schreibe ich Musiksoftware für Kinder. Die englische Version dieser Seite enthält mehr Details über mein Leben.

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